google WMT, oder die Sache mit dem blauen Brief

05.04.2012 | Nicolas Sacotte
Aus aktuellem Anlass möchten wir hier unsere Meinung bzw. Erfahrungen und Erkenntnisse bezüglich der "grassierenden" Warnmeldungen an Webseitenbetreiber in den google Webmastertools kund tun. Schon seit Ende 2011 verschickt google Warnhinweise an Webmaster, deren Seiten in den WMT (Webmastertools) hinterlegt sind. In diesen Warnmails wird darauf hingewiesen, dass "...auf einigen Seiten Ihrer Website möglicherweise Techniken verwendet werden, die gegen die Webmaster-Richtlinien von google verstoßen...."

 

Warnhinweise in den Webmastertools

Derzeit wimmelt es nur so von Mutmaßungen und Erklärungsversuchen zu diesem Thema. Was als erstes auffällt ist das Wörtchen "möglicherweise"! Das deutet stark darauf hin, dass es sich um eine automatisierte Meldung handelt. Und wenn es eine automatisierte Meldung ist, müssen ja bestimmte Faktoren das "Meldesystem" getriggert und die Versendung des blauen Briefs ausgelöst haben. Also haben wir uns auf die Suche gemacht und haben versucht herauszufinden, was das für Faktoren sein könnten! Als Betreiber zahlreicher eigener alter Affiliateprojekte und aus der Betreuung vieler Kunden im Bereich SEO lassen sich diesbezüglich doch sehr gut "Schlüsse" ziehen. Aktuell scheint es ja eine regelrechte "Kundenwanderung" zwischen SEO-Agenturen zu geben, die auf Grund der Warnhinweise das Vertrauen in ihren Dienstleister verloren haben und nun neue SEO Dienstleister suchen. Alleine in den letzten 4 Wochen hatten wir sicher über 20 solcher Anfragen, teilweise von großen Brands, die durch namhafte SEO Agenturen betreut wurden. Allesamt hatten eines gemeinsam: die ominöse google-Warnmeldung im WMT-Briefkasten. Aus diesem schönen Sammelsurium an möglichen Datenquellen haben wir folgende Schlussfolgerungen gezogen:
  1. Domainbezogene Faktoren: eine weit verbreitete Theorie ist, dass systematisch Domains bzw. Projekte als Linkquelle für die Warnmeldung verantwortlich sind. D.h. google hat ein Projekt als "linkverkaufend" getaggt und schickt dem Linkkäufer deshalb die Warnmeldung! Diese Theorie können wir NICHT bestätigen. Bei der Analyse eines mit der Warnmeldung "beglückten" Projekts, haben wir einige andere linkempfangende Domains, die selber Links von den gleichen Quellen haben analysiert. Teils eigene, teils durch Befragung der jeweiligen (befreundeten) Webmaster. Resultat: es gibt bei einigen die Warnmeldungen, bei anderen nicht. Obwohl viele gleiche Linkquellen genutzt wurden, was gerade in lukrativen Affiliate-Nischen oft der Fall ist, wenn Linkprofile von gut gerankten Projekten nachgebaut werden. In einem der analysierten Fälle gibt es eine Domain, die die Warnmeldung bekommen hat. Diese Domain hat aber "nur" 10 eingehende Links. Es war also recht überschaubar und leicht zu analysieren, ob die Linkherkunft die Meldung getriggert hat. nach eigehender Analyse der Quellseiten und anderen dort verlinkten Zielseiten war klar, dass die Herkunft nicht für die Meldung verantwortlich war.
  2. Anchortextbezogene Faktoren: dieser Faktor wird ebenfalls recht häufig als Auslöser angeführt und ist wohl tatsächlich hauptausschlaggebend bzw. Trigger für den Hinweis in den Webmastertools. Bei allen analysierten Projekten ist sehr offensichtlich zu sehr auf die Verwendung von "harten" Keys in den Linktexten geachtet worden. Zu wenig Compound-Links und in einigen Fällen wenig bis gar keine Brand-Links. Es scheint tatsächlich eine Korrelation zu Suchvolumen und CPC zu geben, denn einige andere Projekte, die wir in die Analyse einbezogen haben (mit recht eindeutigen Anchortext-Dichten), ranken nach wie vor sehr gut und haben keinen Hinweis von google bekommen. Allesamt haben aber gemeinsam, dass entweder wenig SV zu verzeichnen ist, und/oder niedrige CPCs aufgerufen werden. Da das Thema aber recht komplex ist, haben wir hier noch keine konkreten Zahlen, es sieht aber auch auf den zweiten Blick stark danach aus.
  3. Zeitbezogene Faktoren: kontinuierlicher Linkaufbau ist wichtig! Das sollte jeder SEO-Grundschüler eigentlich wissen.... trotzem scheint es immernoch Webmaster (und leider auch Agenturen) zu geben, die per Hauruck-Methode innerhalb kürzester Zeit bei neuen Domains hunderte neuer Links aufbauen, teilweise sogar in annehmbarer Qualität (also nicht nur Bookmarks, Webkataloge, Blogcomments & Co.). In einem der analysierten Fälle wurde dabei stark auf die "natürliche" Anchortextverwendung geachtet, wonach also Punkt 2. als Faktor ausscheiden dürfte. Scheinbar waren aber 100 neue Links pro Monat zuviel des Guten.
Das also mal zu den "Faktoren". Es übrigens auch interessant zu beobachten, was nach dem Eingang der Warnmeldung mit den betroffenen Projekten passiert. Wir haben Seiten gesehen, die schon 10 Tage nach der netten Mail massiv an Sichtbarkeit verloren haben, allerdings auch Projekte analysiert, die nach über 3 Monaten immer noch auf der selben Sichtbarkeit stehen (und keine Links abgebaut haben). Andere wiederum haben erst nach mehreren Wochen leichte Einbrüche erlebt. Ein Muster im Sinne von -30 oder -50 Penalties lässt sich dabei aber nicht erkennen. Wir haben Projekte gesehen, die 300 Plätze nach hinten gewandert sind und Projekte die "nur" 5 Positionen verloren haben (allerdings sitewide mit allen Keys, was fast genauso weh tut).

jetzt wird´s interessant: Was tun, wenn ein "blauer Brief" eintrifft?

das lässt sich sicher pauschal nicht beantworten und sollte nach "bestem Wissen und Gewissen" gehandled werden. Wenn man sich wirklich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und nur ein paar gekaufte oder gemietete Links dabei sind, sollte es nicht allzu schwer sein, diese abzubauen und mit neuen Links zu kompensieren. Wenn man risikofreudig (und nicht monetär abhängig von dem Projekt) ist, kann man das Thema auch aussitzen! In einigen Fällen ist nach der Meldung tatsächlich rein garnix passiert.

Wenn man sich allerdings seiner "Linksünden" durchaus bewusst ist, sollte man mit dem Abbau der fraglichen Linkquellen beginnen (sofern das möglich ist, versucht doch mal die 1000 Xrumer-Forenprofile wieder abzubauen....... ;-) .....).

Auch hier haben wir als Learning für unsere Leser ein Beispiel aus der Praxis mitgebracht: Ein Webmaster rief uns Anfang Januar völlig aufgelöst an, sein Shop war bei google nicht mehr auffindbar, zumindest nicht mehr in Trafficreichweite. Er hatte selber und mit Hilfe einer "Agentur" Links aufgebaut, deren Herkunft man auf alle Fälle als "bedenkenswert" einstufen muss. Resultat: die Startseite war komplett aus dem index raus, nachdem er nicht auf die Warnmeldung reagiert hatte. Unterseiten waren noch zu finden, allerdings jenseits der Plätze 100. Bei einem Blick ins Linkprofil war schnell klar: Deeplinkratio von <5%, über 95% aller Links gingen via Money-Anchor auf die Startseite! Einzige Möglichkeit also, fast alle Links abbauen!!! Witzigerweise, und jetzt kommt das Learning für alle, hatte der Kunde nach dem Abbau der Links versprochen, dass er über die WMT einen Reconsideration Request stellen würde! Er hatte aber noch etwa 10 Links auf dem Abbauplan, die noch weg sollten. Leider (oder glücklicherweise) haben die betreffenden Webmaster nur sehr langsam bzw. gar nicht reagiert. So ist einige Zeit verstrichen.... und nach etwa knapp 8 Wochen kam der Shop wieder zurück und hat bereits über 75% der alten Sichtbarkeit wieder!!! OHNE Reconsideration Request!

So und damit der Artikel nicht noch länger wird, brechen wir an dieser Stelle ab! Wer konkrete Fragen hat, gerne über die Comment-Funktion stellen!
Kommentare:
Kommentare 5 Kommentar(e)
Peterson Olaf 20.04.2012, 01:19 Uhr
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Ich glaube nicht das jede Seite nach einer gewissen Zeit zurück kommen wird ohne etwas zu unternehmen, das wäre ein bischen einfach..... Vieleicht sollte man nicht alle LInks abbauen, ich kann mir vorstellen das man nur eher Links aus Blogpostings entfernen sollte.

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symlink 23.04.2012, 08:55 Uhr
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Blauer Brief hin oder her. Ich denke es ist nur fair von Google, wenn "Sie" dir sagen und dir die Chance geben deine Links runterzunehmen. Blauer Brief hört sich aber verdammt Oberlehrerhaft an.

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Nicolas Sacotte 23.04.2012, 09:17 Uhr
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ja Mario, nur leider ist deren Aussage erstens wieder mal völlig schwammig, und zweitens haben auch Webseiten den "blauen Brief" bekommen, die keinerlei Links gekauft, getauscht oder gemietet haben! Das ist Panikmache erster Sahne, weil die es selber nicht wirklich in den Griff kriegen! Und wie bei allen anderen Updates zuvor auch, nimmt google diese Kollateralschäden einfach in Kauf......
Philipp 23.04.2012, 09:12 Uhr
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Sehr interessante Schlussfolgerungen, Danke Nico! In dem Zusammenhang finde ich die Aussage von Johannes in Kais Blog spannend (http://www.seokai.com/linkkauf-penalty-als-erpressung-durch-google-risiken-beim-linkabbau/#comment-1612), nach der sistrix.com als früherer Linkverkäufer nach wie vor keinen PageRank vererbt. Wenn Google bei Linkverkäufern so nachtragend ist, dann doch auch bei Linkkäufern. Vor diesem Hintergrund könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass es lohnenswert sein könnte die gekauften lieber Links nicht abzubauen - und somit kein Schuldeingeständnis abzugeben - und durch zukünftigen natürlichen/viralen Linkaufbau das BL-Portfolio langsam zu säubern. Zumindest wenn man es sich leisten kann und der Verlust an Sichtbarkeit keine dramatischen Auswirkungen auf den Umsatz hat...

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sven 12.06.2012, 07:55 Uhr
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Hallo Niclas und alle SEO-Fans,

ich wollte hier kurz meine Erfahrung zum o.g. Thema mitteilen.
Mir ist eine Site bekannt die zuerst mit der Startseite aus dem google-index gefeuert wurde. Dies hatte zuvor und bis Dato keinen „blauen Brief“ in den WMT. Beim Linkaufbau wurde auf eine natürliche Umsetzung geachtet, bis auf zwei Links wo ich vermute, dass hier der Fehler im Detail steckt. 100 prozentig kann ich dies aber nicht zu ordnen.
Ohne weiteren Linkauf- und -abbau konnte sich die Site nach 3-4 Wochen wieder bis zu ca. 80% wieder regenerieren und die Starseite war auch wieder im google-index zu finden.

In dieser Zeit schwankten die Platzierungen innerhalb einiger Tage um bis zu 50 Positionen. Ich gehe hier davon aus, dass das ausrollen des Google-Updates und die Datensammlung, Datenauswertung eine große rollte spielten.

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