das google Monopol

03.12.2012 | Nicolas Sacotte
Der Suchriese Google hat weithin bekannt DIE Monopolstellung im Bereich der Suchdienste. Und das in "Internetzeit" gerechnet schon seit Urzeiten. Ich erinnere mich noch genau, als google mit der ersten Betaversion an den Start ging. Damals waren andere Anbieter wie Yahoo, Altavista, Fireball & Co. die Marktmacht. Google hat seinerzeit aber in Windeseile den Suchmarkt "klar gemacht". Das hatte 3 Hauptgründe: die Suchmaschine war schnell, hat gute Suchergebnisse geliefert und war absolut WERBEFREI! Die User waren von dem Banner-Overload und dem bunten werbetechnischen Banner-Geblinke der Mitbewerber genervt und sind zahlreich und zeitnah zu google "gewechselt".

Das google Monopol

Im Jahr 2000 hat google mit der Einführung von AdWords die Werbefreiheit aufgegeben. Der Anfang einer kommerziellen Ausschlachtung sondergleichen war gemacht. Allerdings haben die Jungs in Mountain View einen guten Job gemacht: die AdWords Werbeeinblendungen sind bis heute so unaufdringlich wie möglich eingesetzt worden, keine grafischen Elemente, kein nerviges Blinken. Das ist wohl auch der Grund, warum die Klientel diese Monetarisierungsform bis dato nicht als störend empfindet. Und bisher haben auch selbst die BWLer unter uns billigend und verständnisvoll in Kauf genommen, dass der personelle Aufwand und die technische Infrastruktur ja irgendwie refinanziert werden muss. Google ist grundsätzlich erstmal ein Unternehmen, dass kapitalistischen Marktmechanismen  gehorchen muss. Das bedeutet: es muss Geld verdient werden, zumindest so viel, dass Kosten gedeckt sind.

Allerdings hat der Monopolist seit Anbeginn seiner Existenz mit diversen Statements versucht, sich selber in gutes Licht zu stellen und genau diesen kapitalistischen Hintergedanken durch ein eigenes Mission Statement positiv zu untermauern: "don´t be evil" ist das Credo. "Don´t be evil" ist nur leider sehr relativ und mehr als schwammig! "Evil" aus welcher Sicht?

Mittlerweile mehren sich die Stimmen, die mit der aktuellen Situation nicht mehr konform gehen. Phillip Klöckner hat dazu einen mehr als ausführlichen Artikel geschrieben, der seit Tagen heftige Wellen schlägt und der mich auch inspiriert hat diesen Beitrag zu schreiben. Meiner Meinung die beste und umfangreichste Abhandlung zum Thema google Monopol, die jemals verfasst wurde. Es gibt zwar zahlreiche US-amerikanische SEO Blogs, die sich ebenfalls mit der Problematik befasst haben, allerings immer nur in Teilbereichen und niemals so allumfassend, wie Phillip das getan hat. Sicher ist er nicht ganz unbefangen, denn als Investor von ladenzeile.de, treffen ihn die aktuellen Trends und Updates besonders hart, aber er spricht sehr vielen Webmastern aus der Seele und hat mit seinem Artikel geschafft, das google Monopol wirklich von allen Seiten kritisch zu hinterfragen und zu beleuchten und mögliche Strategien des Suchgiganten offen zu legen.

Der Artikel ist sehr lang und deshalb hier unser persönlicher tl;dr
  • googles Aussendarstellung und Mission Statement ist nicht das, was der börsennotierte Konzern in der Realität tut
  • langsam aber sicher beginnt google alle lukrativen Vertikals mit eigenen Angeboten zu monetarisieren
  • leidtragende sind Webseitenbetreiber, die in diesen Vertikals aktiv sind.
  • googles neue Monetarisierungsmodelle sind für den User nicht durchschaubar und nur mit profundem Marktwissen und technischem Background zu überblicken
Was google seit Jahren immer komplexer ausrollt, würde in der Realwirtschaft vermutlich schon längst die obersten Kartellhüter auf den Plan gerufen haben. In der virtuellen Wirtschaft ist das aber (noch lange) nicht angekommen. Wahrscheinlich gerade weil das Thema und alle Prozesse und Verknüpfungen in diesem System so schwer durchschaubar sind. Und weil in den zuständigen Kartellbehörden nicht die erforderlichen Kompetenzen sitzen, sieht man großzügig darüber weg bzw. ignoriert das Thema.

neue Marktsituationen

Das google Monopol ist relativ einzigartig und kann deshalb mit der Definition "Monopol" aus den klassischen Lehrbüchern nicht verglichen werden. ein klassisches Monopol wird bei wikipedia wie folgt definiert:

Ein Monopol (Zusammensetzung von altgriechisch μόνος monos ‚allein‘ und πωλεῖν pōlein ‚verkaufen‘) nennt man eine Marktsituation (Marktform), in der für ein ökonomisches Gut nur ein Anbieter vorhanden ist. (Quelle wikipedia)

Dabei ist der Geldfluss von Kunden zum Monopolist ganz klar festgelegt. Der Kunden "kauft" beim alleinigen Anbieter bzw. der Anbieter "liefert aus". Kunde & Lieferant.... Die google User sind damit perse eben auch Kunden, weil Suchergebisse "ausgeliefert" werden! Und genau hier beginnt die Komplexität im Falle des google Monopols! Google hat in den Augen der Kartellbehörden 2 Kundengruppen: die größte "Kundengruppe" ist der User selber, die zweite Kundengruppe sind AdWords-Kunden (und Kunden, die für die Nutzung weiterer Dienste bezahlen).

Und genau hier liegt wohl der Sonderfall: die größte "Kundengruppe" ist im klassischen Sinn nicht Kunde, sondern Nutzer. Diese "Kunden" bekommen aber die Suchergebnisse gratis! Warum sollte also ein Kartellwächter eingreifen? Es ist das Geschäftsmodell an sich, was weder in den Köpfen der User noch in denen der verantwortlichen Wettbewerbshüter angekommen ist!

Es gibt zum google-Monopol einige Stimmen die sagen: "ich verstehe das, wenn ich google wäre, würde ich das genauso machen!" Sicher, gerade ein börsennotiertes Unternehmen muss nach Gewinnoptimierung streben, das erwarten sowohl Share- als auch Stakeholder. Die Frage ist nur, ist es wettbewerbsrechtlich und vor allem ethisch vertretbar, dass viele "Kleine" unter einem "Großen" finanziell zu leiden haben? Es gibt so viele Internetunternehmen da draussen, die sich jahrelang eine berechtigte Existenz aufgebaut haben, die jetzt am Abgrund stehen, weil google ihnen den lebenswichtigen Traffic von heute auf morgen entziehen kann (und entzieht).

Monopolist zu sein bedeutet nicht nur alleiniger Marktbeherrscher im eigenen Segment zu sein, sondern in dieser Größe auch ethisch verantwortungsvoll zu handeln. Und google gibt genau das in der Aussendarstellung an! Die Ethik-Diskussion kann sicherlich endlos weitergeführt werden und wird wohl auch ins Philosophische abdriften, wichtig ist dabei, dass die google User/Kunden anfangen zu begreifen, was dort wirklich passiert. Dazu empfehle ich wieder Wikipedia, denn das Thema Wirtschaftsethik sollte jeder zumindest "angelesen" haben, um sich eine Meinung zur aktuellen Situation machen zu können: http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsethik

Einige ausgewiesene Onlinemarketing Fachleute gehen schon seit einiger Zeit dazu über, nicht mehr auf den google Traffic zu setzen und haben sich aus der Abhängigkeit gelöst. Es gibt Alternativen! Dazu empfehlen wir das "near googleless"-Projekt von Karl Kratz, der sich vollkommen vom organischen google Trafficstrom gelöst hat und die google-bots sogar komplett und bewusst aussperrt: https://www.online-marketing.net/ .

Wie denkt ihr darüber? Geht das google Monopol für Euch in Ordnung? Findet Ihr gut, was da schleichend geschieht? Sind Eure Projekte schon betroffen?
Kommentare:
Kommentare 8 Kommentar(e)
Malte Koj 03.12.2012, 12:44 Uhr
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Hallo Nicholas, schöne Kurzform. Es ist schon krass, was Philipp dort offenbart. Ob alles so richtig ist? Ich weiß es nicht, aber alleine die Möglichkeit ist schon beängstigend. Alleine die Möglichkeit das es so sein könnte lässt mich wieder mehr über Alternativen nachdenken.
Aus diesem Grund finde ich auch das Projekt Near-Googleless-Projekt von Karl spannend. Der passende Artikel dazu ist hier: http://www.klick-it.de/seo-gefluester/near-googleless-projekt.html

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Roman 03.12.2012, 22:02 Uhr
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Ich denke ein Monopolist wird immer seine Marktmacht ausnutzen und langfristig die Qualität aus dem Fokus verlieren. Es ist sehr erschreckend, hoffentlich kommt irgendwann ein starker Konkurrent der den Markt wieder belebt. Ich habe auch einen kurzen Artikel dazu verfasst: http://www.seo-kompetenz.de/blog/2012/12/near-googleless-projekt/

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Hendrik 05.12.2012, 13:46 Uhr
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Ich bin mir nicht sicher, ob man bei den Nutzern der google Suche von Kunden sprechen kann. Eigentlich sind sie eher die Ware, denn sie sind die Reichweite. Kunden sind die AdWords-Nutzer, die über AdWords Reichweite kaufen.

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Barthel 05.12.2012, 21:43 Uhr
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Was Roman sagt kann man z.B. bei Facebook sehen. Das Unternehmen bringt keine echten Innovationen raus, weil man sie irgendwie nicht braucht. Die User sind ja sowieso da. So eine Denke kann im Netz ganz schnell nach hinten losgehen, was Nicolas am Beispiel Altavisa et al beschreibt, an die Zeit kann ich mich auch noch erinnern. Wenn Google es übertreibt, werden die Nutzer verschwinden, Alternativen gibt es ja.

Mir gefallen bei der aktuellen Diskussion zwei Sachen nicht:
1. SEOs greifen alles sofort auf, was Google ihnen hinwirft. Egal ob lokale Suche oder G+, sofort ist man dabei und Blogartikel mit Tipps für bessere Rankings werden veröffentlicht. Nun kommt aber z.B. mit dem Preisvergleich etwas, das man nicht zum eigenen Nutzen "optimieren" kann, das sogar die eigenen Geschäftsmodelle bedroht. Und bäm kommen die Rufe nach den Regulierungsbehörden.

2. Was im SEO gerne als Greyhead bezeichnet wird, ist oft schon gar nicht mehr an der Grenze zur Legalität, sondern weit drüber. Und damit meine ich nicht Google Richtlinien sondern echte Gesetze. Bei den diversen Dienstleistern werden jeden Tag hunderte Artikelplätze gekauft, die mit werbenden Texten gefüllt werden, aber nicht entsprechend gekennzeichnet sind. An der Stelle könnte das Rufen nach der Justiz ganz schnell nach hinten losgehen.

Meiner Meinung nach wird Google den Kampf so oder so gewinnen, so lange die User bleiben. Es ist nämlich ganz einfach: Wenn die Regulierer Google die großen Anzeigen above the fold verbieten, kann sie dann natürlich auch keiner mehr buchen. Es gibt also keinen weg mehr, sich an den SERPs vorbeizumogeln. Und wenn Google z.B. Shopping normal in die SERPs integrieren muss... Die Jungs kennen den Algo! Wer, wenn nicht sie, sollte den Dienst trotzdem auf die 1 bekommen?

Ob Fall GEMA oder Zeitungsverlage in Belgien, jeder in der Branche sollte wissen, dass Google im Fall eines Angriffs gerne mal reagiert wie ein kleines Kind und an einem sehr sehr langen Hebel sitzt. D.h. wenn sie die SEO Branche mal ins Visier nehmen, und zwar so richtig, dann könnte hier ein noch viel größeres Heulen und Zähneklappern ausbrechen.

Google arbeitet an der Grenze zur Legalität, aber welcher große Player macht das nicht? Ich kann mich aus dem Stegreif an bestimmt insgesamt eine Milliarde Dollar Strafen in Kartellverfahren in den letzten 12 Monaten erinnern. Deshalb kann man die Praktiken ruhig kritisch bis sehr kritisch sehen, aber imho beißt man nicht die Hand, die einen füttert.

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Marcel 15.12.2012, 22:23 Uhr
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Ich würde es interessant finden, wenn es mal eine zweite große und konkurrenzfähige Suchmaschnine geben würde. Wie würde dann der Markt und SEO aussehen wenn Google nicht mehr Alleinherscher ist. Aber in Yahoo steck ich dabei wenig Hoffnung wenn selbst Youtube mehr Suchanfragen bearbeitet^^

@Roman: Ich stimme dir vollkommen zu und habe auch den Eindruck dass Google in vielen Belangen die Qualität aus dem Fokus verloren hat.
@Nico: Wie gewohnt ein toller Artikel!

Viele Grüße und einen schönen dritten Advent!

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Mike 15.01.2013, 09:52 Uhr
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Ich finde die Nutzer sind selbst dran Schuld. Es gibt bereits Konkurrenz wie z.B. Bing.

Diese Suchmaschine liefert ähnliche Ergebnisse. Doch keiner ist dazu bereit über diese Suchmaschine zu suchen.

In den USA hat Bing eine weitaus größere Reichweite. Aber hier bei uns hat Google einen gigantischen Marktanteil.

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NetLikes 29.01.2013, 14:25 Uhr
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Google Adsense verwende ich schon lange nicht mehr, weil es sehr gute deutsche Alternativen gibt, wo man für Werbung wesentlich besser bezahlt wird.
Ich meine damit "Contaxe" und "Schaltplatz".

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Tommy 18.02.2013, 03:45 Uhr
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Das Projekt von Karl Kratz ist auf jeden fall einen Blick Wert. Danke für den Tipp!

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